Das geht unter die Haut: Die Lust an der Lust

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„Warum liegt hier Stroh?“
„Und warum hast du eigentlich ne Maske auf?“
„Hmm, dann blas mir doch einen“.

Uuuund Action. Versucht Du euer Liebesleben mit ähnlich amourösem Dirty Talk aufzuwerten? Oder erinnert Dich der Dialog eher daran, dass Sex nur noch eine schnöde Aneinanderreihung von Bewegungen ist?

Der Dialog stammt aus dem Porno „Achtzehneinhalb 18“ aus dem Jahr 2002, mittlerweile hat er Kultstatus und es wurde sogar ein Song dazu performt. Er steht für die Sinnlosigkeit von Sätzen, die Pornodarsteller*innen oftmals von sich geben, um auf den eigentlichen Akt hinzuleiten. Genauso lieblos und ohne Seele kommen in klassischen Pornos auch die Sexszenen daher – und trotzdem triggern sie uns: Genauso krass Sex haben wie die im Film! Möglichst oft! Möglichst unmöglich. Eines muss verhindert werden: Dass es langweilig wird, Routine einkehrt. Immer mal was Neues – dann eben mit Stroh und Maske, wenn es sein muss.

Was machen die Worte und Bilder mit Dir? Wieviel haben sie mit dem zu tun, was DU fühlst und welche Bedürfnisse DU hast?

Auf jeden Fall sind es überhitzte Bilder. Vorgegebene Rollenbilder und Vorstellungen, die mit der Realität wenig zu tun haben. All die Reize und Botschaften. Das heißt, im Grunde besteht ein Gap zwischen diesen Fantasien und Rollenbildern, die durch Filme, Fotos, Werbung und Geschichten gesendet werden und dem eigenen Erleben. Denn sie sind in uns gepflanzt und wirken. Das alte Prinzip von Leistung. Und schon beginnen wir uns zu vergleichen. Dabei können wir nur verlieren. Und dieses Verlieren wird als individuelles Versagen wahrgenommen, dabei ist es ein zutiefst kollektives Thema, was uns alle angeht.

Was wäre möglich, wenn Du all diese Bilder nicht kennen würdest? Wenn die üblichen Fragen keine Rolle spielen würden? Wenn das Ziel nicht mehr der Höhepunkt Orgasmus ist, sondern den eigenen Rhythmen und Bedürfnissen zu folgen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Wenn nichts mehr muss und alles sein darf? Wenn Männer nicht mehr performen müssen und Frauen machen was sie wollen…
Was ist Sexualität dann?

In erster Linie ist es ein Ausdruck Deiner Beziehung zu dir und zu Anderen. Von Mensch zu Mensch. Von Bedürfnis zu Bedürfnis. Eine Möglichkeit in Beziehung zu gehen. Beziehung zu gestalten. Sich zu zeigen und vom Anderen zu erfahren. Eine Form mit sich selbst und Anderen zu kommunizieren und vor allem in Resonanz zu gehen. Die eigene Sprache der Lust zu entdecken, und dafür loszugehen.

Wenn Du mehr über Sexualität als Potential zur Beziehung mit dir selbst und zu erfüllten Beziehungen erfahren willst, dann melde dich zu unserem kostenfreien Online-Impulsvortrag am 23. Juni um 18.30 Uhr mit Heike an.